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1.9.2017 - Kapelle der Vitos-Klinik, Gießen - Gedenktag für die ermordeten Patientinnen und Patienten

Vitos-Kapelle Gießen, Eingangsseite
Am Freitag, 1.9.2017, 19.00 Uhr findet in der Kapelle der Vitos-Klinik Gießen eine Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die 1940/1941 ermordeten jüdischen Patientinnen und Patienten statt.

Gedenken an den Krankenmord im Nationalsozialismus – Erinnerung an die ermordeten jüdischen Patientinnen und Patienten

„Das radikal Böse ist das, was nicht hätte passieren dürfen“,

(Hanna Arendt, deutsch-jüdische Philosophin)

FREITAG, 01.09.2017, 19 UHR

Die Vitos Gießen-Marburg gGmbH, der Förderverein Psychiatriemuseum/Gedenkausstellung Gießen sowie der Oberhessische Geschichtsverein Gießen e.V. laden ein zur Gedenkveranstaltung in die Kapelle der Vitos-Klinik Gießen. Mit dabei ist der jüdische Liedermacher Dany Bober. Weitere Hinweise gibt es im Flyer.

Der Krankenmord in der Zeit des Nationalsozialismus hat unter Beweis gestellt, dass die Zerschlagung der Grundsolidarität mit dem Menschen als Mensch möglich ist und seine Würde antastbar.
Die Vitos-Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Gießen, Licher Straße 106, möchte mit gemeinsam mit den Gästen den in Brandenburg und Hadamar vom Oktober 1940 bis Mai 1941 ermordeten Patientinnen und Patienten gedenken.

Der von Hitler im Oktober 1939 unterschriebene und auf den Beginn des 2. Weltkriegs zurückdatierte "Euthanasieerlass" sollte signalisieren, dass Krieg gegen „äußere“ aber auch „innere“ Feinde geführt wird.

Dies hat Hunderttausenden von psychisch kranken Menschen in Deutschland und in den überfallenen Gebieten im Verlauf des 2. Weltkriegs das Leben gekostet. Sie wurden als rassisch, genetisch, gesellschaftlich und „wirtschaftlich“ unerwünscht eingestuft.

Aus der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt und der Provinzial-Siechenanstalt, beide in der Licher Straße in Gießen gelegen, wurden 388 Schutzbefohlene im Rahmen des „Euthanasieprogramms“ umgebracht.

Damit begann die Verfolgung und Vernichtung aller, die das Naziregime ausschalten wollte.

In diesem Jahr wollen wir uns besonders an die jüdischen Patientinnen und Patienten erinnern, sie waren doppelter Verfolgung ausgesetzt: als Juden und aufgrund ihrer Erkrankungen und Behinderungen.
Auf Erlass des Reichsministers des Inneren vom August 1940 wurden aus dem gesamten Mitteldeutschen Raum jüdische Patienten in eine eigens eingerichtete „Sammelanstalt“ in der Licher Straße in Gießen eingewiesen und 10 Tage später in der Mordanstalt Brandenburg umgebracht.

Der Förderverein Psychiatriemuseum/Gedenkausstellung Gießen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gedenkarbeit sowie die wissenschaftliche Forschung zur Geschichte der Psychiatrie finanziell zu unterstützen. Hierzu zählt für ihn auch die anschauliche Präsentation der Ergebnisse. Ein inhaltlicher Schwerpunkt wird auf die Auseinandersetzung mit der Psychiatrie während des Nationalsozialismus gelegt.