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Aktuelles

Übersicht über die Vorträge und Exkursionen im Winterhalbjahr 2010/2011 : Unsere Vorträge im Winterhalbjahr 2010/2011 werden abgerundet durch zwei Exkursionen zu sehenswerten Museen der Region. Die acht Vorträge befassen sich mit aktuellen archäologischen Grabungen und Projekten der Region, im Spätmittelalter getragener Garderobe, Forschungen zu mittelhess. Familiennamen und zeitgeschichtl. Fragen zur Demografie sowie der Militär- und Kunstgeschichte Gießens. mehr»»

Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins 2009, 94. Band, erschienen

Bürgerhaus Gießen 1966
Auf ca. 300 Seiten bietet der aktuelle Band unterschiedliche Aufsätze mit einer breiten Themenpalette vom 17. Jahrhundert bis heute . Bezug zur aktuellen Diskussion um die Zukunft der Gießener Kongreßhalle stellt der Beitrag von Scott Budzynski her, der den Architekten des Gebäudes, S. Markelius, vorstellt.
Foto: Stadtarchiv Gießen, Bürgerhaus Gießen 1966

Wie in jedem Jahr können die Mitglieder den aktuellen Band im Stadtarchiv Gießen, Berliner Platz 1, abholen.

Das Redaktionsteam bei der Vorstellung des neuen Bandes am Mittwoch, 3. März 2010.

Abbildung: die Redaktion 2009, v. re.: Dr. E.-M. Felschow, M. Blechschmidt, D. Klein, Dr. M. Breitbach, S. Gerschlauer

Abstracts zu den Beiträgen

Eine neue Stadtkrone - Das Bürgerhaus Gießen von Sven Markelius Architektur der Nachkriegsmoderne

Scott Budzynski

Sven Markelius (1889-1972) war einer der bedeutendsten Architekten der Moderne in Schweden. Vor allem wurde er für seine Volkshäuser bekannt, sowie insgesamt für eine sozial geprägte Architektur. Er hat international gearbeitet mit Projekten wie das Economic and Social Affairs Council von 1952 bei der United Nations in New York City. Wenig bekannt ist seine Tätigkeit in Gießen als Architekt des 1966 geöffneten "Bürgerhaus", die heutige Kongresshalle Gießen. Dieser Aufsatz stellt das "Bürgerhaus" im Zusammenhang mit der Bautätigkeiten und Ideen von Sven Markelius vor. Desweiteren wird der Kontext des Baus in der Architektur der Nachkriegsmoderne in Deutschland und besonders in Gießen erklärt.

"Wir klagen den Verlust, wir zürnen nicht!" - Die Gießener Theater-Enttäuschungen des Christian Heinrich Schmidt

Eckhard Ehlers

Als im Jahre 1771 der 25-jährige Erfurter Jurist Christian Heinrich Schmid seine Professur der Dichtkunst und Beredsamkeit in Gießen aufnimmt, kommt eine spürbare Belebung in die theaterlose Provinz. Denn er ist ein ausgewiesener Kenner der Materie. Er versucht, die damals wohl bekannteste Wanderbühne – die „Seylersche Schauspielergesellschaft“ – von Wetzlar aus zu Gastspielen nach Gießen zu verpflichten. Jedoch: Ohne Erfolg! Und auch das 1778 unter seiner Ägide gegründete studentische Akademische Theater hatte nur einige Monate Bestand, weil es von der Landesregierung verboten wurde. Dies waren für den Theater-Enthusiasten Christian Heinrich Schmid herbe Enttäuschungen. In Zeiten der aufkommenden „Theatromanie“ war er aber für Gießen ein exponierter Glücksfall!

Die Großherzogliche Wohnung im Alten Schloß in Gießen

Hans-Joachim Weimann

In den Jahren 1905 bis 1907 wird eine Wohnung für den Großherzog Ernst Ludwig im Gießener Alten Schloß geschaffen. Drei Räume werden durch den Möbelfabrikanten Glückert gestaltet, vier weitere durch den Jugendstil-Architekten Josef Maria Olbrich. Der Fabrikant Wilhelm Gail wird nicht nur als einer der Mäzene, sondern auch als Organisator tätig. In das von ihm erworbene und geschenkte Nachbarhaus wird eine Küche eingebaut. Störende Elemente im benachbarten Teil des botanischen Gartens verschwinden. Es war möglich, die Baugeschichte zu klären, die Grundrisse zu rekonstruieren, Entwurfszeichnungen und Fotos zu beschaffen. Der Artikel schließt mit einem Bericht über eine Besichtigung durch Zar Nikolaus, den Großherzog und den Kronprinzen von Griechenland im Oktober 1910.

Freienseen und die Frösche

Bernhard Diestelkamp

Von den Wandlungen einer Verfassungsgeschichtlichen Legende Moderne Heimatforscher haben den Spottnamen "Frääsch", also "Frösche" für die Freienseener, umgedeutet als "Fraisch", also Hochgerichtsinhaber. Einzige Stütze ist ein Wörterbuch von 1819. Dagegen werden in Zeugenaussagen des Jahres 1560 die Freienseener wirklich mit Fröschen in Verbindung gebracht.

Falschgeld aus Hessen-Darmstadt - Belege aus Frankfurt und Umgebung

Konrad Schneider

Seit es Geld gibt, wird es gefälscht, auch wenn sich die Ausgabestellen alle Mühe geben, dies technisch zu verhindern und Fälschern schlimme Strafen androhen. Länder, die verhältnismäßig viel Münzgeld ausgaben wie Hessen-Darmstadt bis 1918, mussten damit rechnen, dass ihre Münzen gefälscht wurden. Städte wie Frankfurt a. M., die stets Drehscheibe des Handels mit echtem Geld waren, waren dies auch beim Falschgeld. Dies blieb den Strafverfolgungsbehörden nicht verborgen, die jedoch mehr Falschgeld anhielten, als dass sie dessen Urheber dingfest machen konnten. Dies soll auf der Grundlage von erhaltener schriftlicher und dinglicher Überlieferung gezeigt werden.

Die Briefe von Carl Vogt in der Universitätsbibliothek Gießen

Bernd Bader

Die UB Gießen verwahrt 18 Briefe von Carl Vogt (1817-1895) und einen an Vogt, die vollständig veröffentlicht und erläutert werden. Sie erstrecken sich, soweit datierbar, über den Zeitraum von 1842 bis 1879. Acht sind an Vogts Vetter Lorenz Diefenbach gerichtet. Themen sind unter anderem Vorgänge in der Nationalversammlung 1849, kunsttheoretische Betrachtungen, die Ereignisse des Jahres 1859 in Europa und Vogts Konflikt mit den Londoner Emigranten um Karl Marx, Erinnerungen an die Gießener Gymnasialzeit, Vogts Sohn und späterer Biograph William Vogt.

100 Jahre Jugendherbergswerk

Mutgard und Hans Jürgen Kuschke

Das vor 100 Jahren gegründete Jugendherbergswerk verdankt seine Entstehung nicht zuletzt der deutschen Jugendbewegung. Dr. Wilhelm Flörke (1893-1970), ein aktiver Wandervogel der Gießener Ortsgruppe des „Bund für deutsches Jugendwandern (E.V.)“, hat sich in ganz besonderem Maße neben seinem Studium und seiner beruflichen Tätigkeit für die idealistischen Ziele der Wandervogelbewegung und das Jugendherbergswerk in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts engagiert. Seine aktive Mitarbeit im „Deutschen Jugendherbergswerk e.V.“ (DJH) fiel in die bündische Phase des Wandervogels (1919 bis zum Untergang in Nazi-Deutschland 1933). Während der NS-Zeit ruhte die aktive Mitarbeit Flörkes für das Jugendherbergswerk aus Protest gegen die Gleichschaltung mit der Hitler-Jugend und wurde – was den Ortsverband Gießen anbelangte – erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgenommen, nachdem in der amerikanischen Zone der Landesverband des DJH am 13. Juli 1947 wieder neu gegründet worden war.

Gab es ein "Augusterlebnis" 1914 in Gießen?

Olaf Hartung, Angela Krüger

Die leitende Fragestellung des Beitrags lautet, wie verschiedene gesellschaftliche Gruppen in Gießen den Kriegsausbruch 1914 erlebt und bewertet haben. Unter vergleichender Perspektive zu bereits andernorts durchgeführten Regionalstudien werden verschiedene lokale Quellen kritisch ausgewertet. Neben ausgewählten Selbstzeugnissen von Zeitgenossen sind dies vor allem die Ausgaben des Giessener Anzeigers und der Oberhessischen Volkszeitung. Im Ergebnis zeigt sich, dass der Großteil der Bevölkerung tendenziell weniger euphorisch auf den Kriegsausbruch reagiert hat, als es das traditionelle Bild vom "Augusterlebnis" zu vermitteln suchte. Zwar gab es eine gewisse Begeisterung, allerdings weniger über den Krieg selbst, als über das neuerliche Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Idee vom `geeinten Vaterland´ wurde von der Presse jedoch nicht nur beschrieben, sondern auch herbeigeredet.

Doktorgradentziehungen an der Universität in Gießen 1933-1945

Helmut Berding

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht gelangten, setzten sie zur Errichtung des von ihnen propagierten völkischen Führerstaats einen Prozess der Gleichschaltung und Ausgrenzung in Gang. An ihm wirkte wie andere Universitäten auch die Ludoviciana mit. So entließ sie alle Mitarbeiter, die dem NS-Regime aus politischen oder rassistischen Gründen nicht genehm waren. Und sie entzog den ins Ausland vertriebenen oder aus Deutschland geflüchteten Absolventen den Doktorgrad. Insgesamt waren es in Gießen 49 Fälle. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, blieb das entwürdigende Geschehen mehr als fünfzig Jahre lang ungesühnt: Bis am 13. Februar 2006 die Justus-Liebig-Universität Gießen das Unrecht offiziell für null und nichtig erklärte.

Stellungnahme zur Rezension meiner Monografie

Peter Chroust

„Die bürokratische Verfolgung. Doktorgradentziehungen an der Universität Gießen 1933-1945 im Kontext der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik“, Gießen 2006 durch Eva-Marie Felschow und Michael Breitbach in den Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins, Bd. 91 (2006), S. 430-436

„habent fata sui libelli“

Matthias Recke

An der Bibliothek des Archäologischen Instituts wird hier erstmals für die Universität Gießen exemplarisch versucht, den Umfang der Kriegszerstörung 1944 im Bereich der Seminarbibliotheken zu erfassen. Aufgrund unterschiedlicher Stempelformen und einer fortlaufenden Nummerierung ist es möglich, die historische Entwicklung der Bibliothek nachzuzeichnen. Als Ausdruck der Amtsgewalt sind unterschiedliche Stempelformen auf den Wechsel der Lehrstuhlinhaber, nicht aber auf den äußeren politischen Wandel der Zeit zurückzuführen. So wird bis lange in die Weimarer Republik noch das Großherzogliche Wappen verwendet.

Archäologisch-geophysikalische Prospektion römischer Wachttürme bei Pohlheim-Grüningen

Manfred Blechschmidt

Zu Benedikt Levis Gottesdienstreform

Dieter Steil

Ergänzungen zu meinem Aufsatz „Zwischen Reformjudentum und Orthodoxie - Zum 200. Geburtstag des Gießener Rabbiners Dr. Benedikt Levi“

Pressespiegel zur Vorstellung des 94. Bandes: