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Aktuelles

Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins 2011, 96. Band: Auf 389 Seiten bietet der 96. Band der Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins in diesem Jahr wieder ein breites Themenspektrum. Diesmal liegt einer der Schwerpunkte in der Zeitgeschichte. Dem ersten Beitrag über die Gießener Soziologin und Frauenrechtlerin Henriette Fürth folgt ein Blick auf die Militärgeschichte Gießens, danach ein Beitrag zum Wiederaufbau Gießens nach 1945. mehr»»

Bürgerkultur in Gießen - 100 Jahre Stadttheater

von Helmut Berding

MOHG 92 (2007) S. 151-167

Gießen feierte im Jahre 2007 ein Doppeljubiläum: 400 Jahre Universität und 100 Jahre Stadttheater. Stand bei der Gründung der Ludoviciana der Darmstädter Landesherr Pate, war es beim Bau des Stadttheaters das Gießener Bürgertum, woran die Inschrift über dem Hauptportal, für jedermann sichtbar, erinnert: "Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns". Der Beitrag von Helmut Berding geht der Entstehungsgeschichte in fünf Schritten nach. Erstens geht es darum, die allgemeinen Rahmenbedingungen aufzuzeigen: die wirtschaftliche Blütezeit im Kaiserreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts und den Aufstieg Gießens zu einer modernen Stadt. Mit der Herausbildung eines breiteren Besitz- und Bildungsbürgertums wächst das Unbehagen mit der im Vergleich zu anderen Städten zurückgebliebenen Theaterkultur. Hieraus folgt, wie zweitens deutlich wird, die Gründung des Theatervereins, von dem die ersten Impulse zur Verbesserung der Theaterverhältnisse in der oberhessischen Universitätsstadt ausgingen. Drittens wendet sich die Betrachtung den weiteren Aktivitäten des Vereins zu - bis hin zur Gründung einer Theater-Union, der ersten in Deutschland. Hieraus entwickelt sich, viertens, eine von breiten Kreisen getragene Bürgerinitiative, die erfolgreich Spenden auftreibt und auf diese Weise Magistrat sowie Stadtverordnetenversammlung für ihr Vorhaben gewinnt. Fünftens fällt ein kritischer Blick auf die festliche Eröffnungsfeier am 23. Juli 1907. Sie dokumentierte in erster Linie den Stolz auf den Aufstieg Gießens in die prestigeträchtige Liga der deutschen Theaterstädte. Aber bei genauerem Hinsehen erkennt man auch die Risse, die sich zwischen den wohlhabenden Kreisen und den weniger begüterten Schichten des theaterfreudigen Stadtbürgertums bestanden und für Verstimmungen sorgten.