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Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins 2011, 96. Band: Auf 389 Seiten bietet der 96. Band der Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins in diesem Jahr wieder ein breites Themenspektrum. Diesmal liegt einer der Schwerpunkte in der Zeitgeschichte. Dem ersten Beitrag über die Gießener Soziologin und Frauenrechtlerin Henriette Fürth folgt ein Blick auf die Militärgeschichte Gießens, danach ein Beitrag zum Wiederaufbau Gießens nach 1945. mehr»»
Abstract zum Beitrag Ludwig Brake
Frauen in Gießener Vereinen im 19. Jahrhundert
Kein Vereins- und Politikverbot für Frauen. Ein einheitlich geltendes Vereins- und Politikverbot für Frauen hat es in Deutschland im 19. Jahrhundert nicht gegeben. Aus der lokalen Perspektive der großherzoglich hessischen Provinzial-Hauptstadt Gießen erkennt man, eine vielfältige Beteiligung von Frauen an Vereinen, auch schon vor der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Sie haben an Vereinstätigkeiten teilgenommen, eigene Vereine gegründet und auch auf öffentliche Angelegenheiten durch Vereinstätigkeit eingewirkt, wie das Beispiel des Komitees zur Ausbildung von Industrielehrerinnen aus dem Jahre 1878 zeigt. Ebenfalls seit dieser Zeit lässt sich ein vermehrtes Engagement von Professoren-Gattinnen in den Gießener Vereinen feststellen. Eine ganze Reihe von Frauen können als Protagonistinnen weiblicher Vereinstätigkeit identifiziert werden. Doch lassen sich aufgrund bisher noch fehlender Unterlagen nur begrenzt Aussagen über die Zusammensetzung der Vereinsmitgliedschaft machen.
Bei einer differenzierten Betrachtungsweise ergibt sich somit, dass zwar in Preußen Frauen von der Teilnahme an politischen Vereinen ausgeschlossen waren. In anderen Staaten jedoch, wie etwa im Königreich Sachsen und dem Großherzogtum Hessen, galten wesentlich liberalere Bestimmungen im Versammlungsrecht, weswegen es unter anderem möglich war, 1865 den Allgemeinen Deutschen Frauenverein zu gründen. Diese Gründung fand in Leipzig statt und Leipzig lag eben nicht in Preußen.
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