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Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins 2011, 96. Band: Auf 389 Seiten bietet der 96. Band der Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins in diesem Jahr wieder ein breites Themenspektrum. Diesmal liegt einer der Schwerpunkte in der Zeitgeschichte. Dem ersten Beitrag über die Gießener Soziologin und Frauenrechtlerin Henriette Fürth folgt ein Blick auf die Militärgeschichte Gießens, danach ein Beitrag zum Wiederaufbau Gießens nach 1945. mehr»»
Vorstand des Oberhessischen Geschichtsvereins besuchte C.A.R.E.-Museum im US-Depot
von Dagmar Klein
Das C.A.R.E.-Museum im US-Depot Gießen ist von der einzigen
Ruhestandsvereinigung der US-Armee in Deutschland seit 1988
aufgebaut und gepflegt worden (C.A.R.E. = Civilian Association
of Retired Employees). Die Mitglieder sind mittlerweile alle um
die 80 Jahre alt, doch einige von ihnen halten sich nach wie
vor jeden Donnerstag zwischen 10 und 15 für Besucher bereit.
Kürzlich war der Vorstand des Oberhessischen Geschichtsvereins
zu Gast und ließ sich von Hans Köhler, Helmut Schulz und
Karl-Heinz Schroth durch die umfangreiche Sammlung führen.
Die Ausstellungsräume befinden sich im Keller des einstigen Wachhauses am Fliegerhorst (Rödgener Straße), das noch aus Wehrmachtzeiten stammt. In den ehemaligen Arrestzellen, in denen die Wände voll gehängt sind mit Dokumenten und Fotografien, werden die nach Zeiten, Orten und Themen geordnet vielfältige Aspekte zum Gießener Militär erzählt. Das beginnt schon in Kaisers Zeiten, zeigt alte Ansichten von Gießen und Umgebung, die Kriegszerstörung Gießens und den Einmarsch der amerikanischen Truppen. Dokumente aus der Anfangszeit der US-Army in Gießen sind besonders interessant, zeigen sie doch das Bemühen auf beiden Seiten, einander besser kennen zu lernen. Sogar Rezepte von Gießenerinnen für amerikanische Frauen sind dabei. Das US-Depot wurde im Laufe der Jahre zum zentralen Auslieferungslager für Europa, von hier wurden Soldaten abgezogen in die Krisengebiete der Welt.
Erstaunt nahmen die Vorstandsmitglieder zur Kenntnis, dass es innerhalb des Areals nicht nur Autowerkstätten gab, sondern auch Möbel selbst hergestellt wurden. Die Zahl der zivilen Mitarbeiter war groß, viele kamen in der direkten Nachkriegszeit hier in Lohn und Arbeit. Aber auch in den Jahrzehnten danach waren (sind) viele Deutsche bei der Army beschäftigt bis zum Beginn des langen Abschieds, der schon vor einigen Jahren begann. Die US-Armee wird Gießen bald endgültig verlassen. Was dann mit der umfangreichen C.A.R.E.-Sammlung geschieht, steht in den Sternen.
Das einfachste wäre, alles in dem denkmalgeschützten Haus zu belassen, denn einen Umzug können die alten Herren nicht mehr bewerkstelligen. Aber dafür müsste die Stadt oder ein anderer Träger das Haus vom Bundesliegenschaftsamt erwerben. Und wer kümmert sich dann weiter darum? Viele offene Fragen, die hoffentlich eine gute Lösung finden, so OHG-Vorsitzender Dr. Michael Breitbach. Denn nachdem kürzlich auch die Bundeswehr abgezogen ist, geht eine wichtige und Jahrhunderte währende Phase Gießens als Garnisonsstadt zu Ende. Die Erinnerung in Form dieser Sammlung sollte unbedingt bewahrt werden, wozu der OHG seinen Beitrag leisten will.
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