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Aktuelles

Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins 2010, 95. Band: Mit dem rund 300 Seiten starken Mitteilungsband präsentiert der OHG auch in diesem Jahr wichtige Beiträge zu unterschiedlichen Themen. Der Bogen spannt sich von der Römerzeit mit den aktuellen Ergebnissen der Grabungen des Römerlagers in Dorlar über das Mittelalter und die frühe Neuzeit bis in die heutige Zeit mit dem Beitrag zur Geschichte der Heinrich-Cloos-Stiftung in Gießen. mehr»»

Oberhessischer Geschichtsverein besuchte Bad Arolsen

(pm), 6.7.2010

Bad Arolsen ist einen Besuch wert, darin waren sich die Exkursionsteilnehmer einig. Auch wenn sich nicht genügend Interessierte gemeldet hatten, um einen Bus zu füllen, so war die überschaubare Gruppe doch glücklich dieses Angebot des Oberhessischen Geschichtsvereins (OHG) genutzt zu haben. Organisiert hatten Dagmar Klein und Dr. Brigitte Cornelius vom Freundeskreis Alter Friedhof (OHG-Arbeitsgruppe), die ein besonderes Interesse am Engagement des dortigen Friedhofsfreundeskreises hatten.

Bad Arolsen, Friedhofsführung mit Frau Hüttig

Die engagierten Arolser haben es nämlich geschafft, dass die Stadt den seit langem still gelegten und verwahrlosten alten Friedhof wieder für Beerdigungen nutzt, allerdings unter besonderen Bedingungen und Auflagen.

Bad Arolsen ist wohl die einzige Kommune, die Patenschaften nicht für den Erhalt einzelner Grabmale, sondern für den Erhalt des gesamten Friedhofs eingeführt hat (seit 2004). Zu den üblichen Gebühren kommen pro Grabstätte 2000 Euro, die in einen gemeinsamen Topf kommen. Saniert wird dort, wo es nach Meinung von Denkmalpflege und Freundeskreis notwendig ist. Die Urnenbestattungen selbst finden im neueren Teil statt, an Grabstätten, die die Betroffenen sich ausgesucht haben. Die Namensplatte ist in Material, Größe, Schrifttyp und Textlänge vorgeschrieben, auch dass sie bündig in den Boden eingelassen werden muss (wie Rasengrabsteine).

Prof. Reiner Sörries vom beratenden Museum für Sepulkralkultur in Kassel war damals skeptisch, berichtet die Initiatorin Edith Hüttig, ob Menschen im Zeitalter des Individualismus solche Auflagen akzeptieren. Doch die Erfahrungen sind positiv: „Die Nutzer scheinen geradezu erleichtert zu sein, dass ihnen solche Entscheidungen abgenommen werden.“ Eingeführt wurden auch Baum-Urnengräber, die allerdings in die unterste Preiskategorie gesetzt wurden, so dass ein regelrechter Run darauf stattfand.

Bad Arolsen, Rauch-Museum

Auch habe die Stadt die Anlage nicht sorgfältig genug geplant, so Hüttig, das Ganze soll demnächst geändert werden. Zu den Vorgaben gehört auch, dass die Bepflanzung zurückhaltend und mit alten Symbolpflanzen erfolgt. „Das macht weniger Arbeit, ist der Atmosphäre des Orts angemessen und sieht auch gut aus“, so Hüttig.

Höchst beeindruckt von dieser Führung ging es den Rest dieses erfüllten Tages mit Fachkompetenz weiter. Bei der Stadtführung erfuhren die Besucher, dass Arolsen eine barocke Planung ist, die im Schloss ihren Anfang hatte. Auch dass vieles in abgespeckter oder veränderter Form realisiert wurde war zu hören; immer spielte Geld eine Rolle, nicht anders als heute. Ein zweites Kernthema dieses Ausflugs war der in Berlin zu Ruhm und Ehren gekommene Bildhauer Christian Daniel Rauch (1777-1857), für dessen Werke seit 2002 ein Museum im einstigen Marstall eingerichtet wurde, dessen noch existierendes Geburtshaus bis heute deutlich macht, aus welch einfachen Verhältnissen der "Bildhauer des Königs" stammte.