Anschrift:

Postfach 110820
35353 Gießen
Tel.: 0641 3061549

Geschäftsstelle:

Stadtarchiv
Berliner Platz
35390 Gießen

Aktuelles

Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins 2010, 95. Band: Mit dem rund 300 Seiten starken Mitteilungsband präsentiert der OHG auch in diesem Jahr wichtige Beiträge zu unterschiedlichen Themen. Der Bogen spannt sich von der Römerzeit mit den aktuellen Ergebnissen der Grabungen des Römerlagers in Dorlar über das Mittelalter und die frühe Neuzeit bis in die heutige Zeit mit dem Beitrag zur Geschichte der Heinrich-Cloos-Stiftung in Gießen. mehr»»

15. Oktober 2008

Dr. Markwart Herzog, Irsee

Fußball und Memorialkultur

Die Geschichte deutscher Fußballvereine reicht teilweise bis ins 19. Jahrhundert zurück. Die großen Traditionsvereine können auf eine mehrere Generationen umfassende Historie zurückblicken. Damit erschließen sich die verschiedensten Felder der Erinnerung: in Festschriften der Rückblick auf bedeutende sportliche Erfolge oder Niederlagen, die in Statistiken und Tabellen erfassten Spielzeiten, das mit Worten wie „Weißt Du noch damals ...?“ eingeleitete Kameradengespräch im Vereinsheim. Archive und Museen gedenken der großen Spieler und Funktionäre, vergilbte Fotos veranschaulichen Vereinsgeschichte, Devotionalien machen sie sinnlich-materiell greifbar.

Abbildung:Glasgow Rangers FC, Memorial am Ibrox Park für die bei Stadionkatastrophen umgekommenen Fans


Die meisten Vereine gedenken an bestimmten Tagen der Verstorbenen, errichten Gedenksteine und -tafeln, publizieren Nachrufe, schalten Todesanzeigen, benennen Sportstätten nach den Helden von einst. In Großbritannien hat sich eine differenzierte Sepulkralkultur herausgebildet, die auch die Bestattung verstorbener Vereinsmitglieder in den Stadien vorsieht. Und in Deutschland werden erste Fan-Friedhöfe errichtet.

Ein besonderer, politisch brisanter Aspekt ist mit dem Gedenken an jüdische Vereinsmitglieder vor 1945 gegeben. Die NSDAP versuchte, wenn auch mit begrenztem Erfolg, die Memoria jüdischer Sportler durch Verschweigen zu vereiteln. Instruktive Beispiele hierfür lassen sich in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bunds und insbesondere der Frankfurter Eintracht finden. Deshalb wird der Vortrag nicht nur auf die Memorialkultur des Fußballsports eingehen, sondern auch auf die ihr entgegen gesetzte Erinnerungspolitik der „damnatio memoriae“.

weitere Abbildungen:

alle Abbildungen: © Markwart Herzog, Irsee

Dr. Markwart Herzog ist wissenschaftlicher Bildungsreferent der Schwabenakademie Irsee (seit 1997). Er studierte Philosophie, Theologie und Kommunikationswissenschaften in München, war 1989-1997 wissenschaftlicher Assistent an der Hochschule für Philosophie in München, 1989-1994 am Institut für Fundamentaltheologie und Ökumene der Universität München. 1995 erfolgte seine Promotion in Religionsphilosophie mit einer Arbeit über die philosophischen Deutungen der Höllenfahrt Jesu Christi in der Frühen Neuzeit („Richard-Schaeffler-Preis“ 1997). Zahlreiche Veröffentlichungen über Themen der Religions-, Medizin-, Sport- und Strafrechtsgeschichte. Er ist Mitherausgeber der Irseer Dialoge, zuletzt erschien: Fußball zur Zeit des Nationalsozialismus: Alltag – Medien – Künste – Stars (Bd. 13), Stuttgart 2008.

Pressestimmen: