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Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins 2010, 95. Band: Mit dem rund 300 Seiten starken Mitteilungsband präsentiert der OHG auch in diesem Jahr wichtige Beiträge zu unterschiedlichen Themen. Der Bogen spannt sich von der Römerzeit mit den aktuellen Ergebnissen der Grabungen des Römerlagers in Dorlar über das Mittelalter und die frühe Neuzeit bis in die heutige Zeit mit dem Beitrag zur Geschichte der Heinrich-Cloos-Stiftung in Gießen. mehr»»
29. Oktober 2008
Prof. Dr. Norbert Gissel, Gießen
Turnen und Sport an der Universität Gießen von den Anfängen bis heute
Turnen und Sport spielen an deutschen Universitäten eine
eher untergeordnete Rolle. Ihrem Selbstverständnis entsprechend
sehen sich die Hochschulen als Stätten der geistigen Bildung.
Bei genauerer Betrachtung wird aber erkennbar, dass es auch an
der Universität Gießen von Anfang an immer wieder Initiativen
und Vorstöße zur Etablierung der Körperkultur gab. Ihnen lagen
unterschiedlichste Motive zu Grunde. Sie reichen von einfachen
Freizeitvergnügungen, über politische Instrumentalisierung wie
etwa bei den „Giessener Schwarzen“ bis hin zu ernsthaftem
wissenschaftlichen Interesse bei Adolf Spieß.
Heute hat sich der Sport in zweifacher Form fest an den
Universitäten etabliert. Zum einen als allgemeiner
Hochschulsport, der als „moderner Dienstleister“ wesentlich zur
Attraktivität von Hochschulstandorten beiträgt und zum zweiten
als Sportwissenschaft, einem interdisziplinären Forschungsfeld,
das von philosophischen, historischen und pädagogischen
Problemen bis hin zu biomechanischen und
trainingswissenschaftlichen Untersuchungsformen reicht.
In dem Vortrag wird versucht, den langen Weg von ersten
Freizeitvergnügungen der Studenten bis hin zur Etablierung des
modernen Wissenschaftsgebietes nachzuzeichnen. Es zeigt sich,
dass die Universität Gießen hierbei immer wieder eine
Vorreiterrolle einnahm oder im Mittelpunkt von Konflikten
stand.
Der Referent, Prof. Dr. Norbert Gissel, studierte Sport und Geschichte an der Universität Gießen. Seine Promotion 1988 war dem "Wiederaufbau des Sports nach 1945" gewidmet, seine Habilitationsschrift 1994 der "Entstehung und Entwicklung der Körperkultur an deutschen Universitäten". Er war 1994-1998 zum Vorstand der Sektion Sportgeschichte in der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft und war 1999-2003 Vizepräsident der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft. Er lehrt am Institut für Sportwissenschaft der Universität Gießen, seine Arbeitsgebiete sind Sportpädagogik und Sportgeschichte.
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