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Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins 2010, 95. Band: Mit dem rund 300 Seiten starken Mitteilungsband präsentiert der OHG auch in diesem Jahr wichtige Beiträge zu unterschiedlichen Themen. Der Bogen spannt sich von der Römerzeit mit den aktuellen Ergebnissen der Grabungen des Römerlagers in Dorlar über das Mittelalter und die frühe Neuzeit bis in die heutige Zeit mit dem Beitrag zur Geschichte der Heinrich-Cloos-Stiftung in Gießen. mehr»»

14. Januar 2009

Dr. Jochen Karl, Staufenberg

Alles im Fluß – Zur Kulturgeschichte unserer Bachtäler

Fließgewässer und ihre Auen erfreuen sich in unserem Land zu Recht der besonderen Wertschätzung durch den Naturschutz und die Wasserwirtschaft. Unbeantwortet blieb bei den zahllosen Renaturierungs- und Hochwasserschutzmaßnahmen der letzten Jahre aber viel zu oft die Frage nach dem kulturhistorischen Wert eines Bachtals mit seinen trocken gefallenen Altarmen, Wehren und Mühlgräben. Unbeantwortet - weil erst gar nicht gestellt. Nicht zuletzt durch eine schärfere Handhabung unserer Umweltgesetzgebung findet die Denkmalpflege – und hierzu gehört auch der Schutz der über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft – erst in jüngster Zeit verstärkt Eingang in Fachplanungen des Naturschutzes und der Wasserwirtschaft, von deren Verträglichkeit man bislang so überzeugt war, dass man sich nur selten die Mühe machte, vor der Verlegung eines Baches oder der „Sanierung“ eines Mühlenwehres zu erkunden, welche Auswirkungen auf das „Schutzgut“ Landschaft damit verbunden sind.
Der Vortrag zeigt anhand einiger Beispiele aus der mittelhessischen Praxis, in welch vielfältiger Weise Konflikte mit dem Kulturlandschaftschutz entstehen können. Er will helfen, die oft unscheinbaren Zeugnisse der Geschichte zu entdecken und zu interpretieren, und er will Lösungsansätze für einen schonenden Umgang mit unserer Vergangenheit aufzeigen. Vor allem aber soll der Vortrag dafür sensibilisieren, dass nicht alles, was auf den ersten Blick naturfern und verbesserungsbedürftig erscheint, auch tatsächlich verändert werden sollte. Dass es Gewässer gibt, die vielleicht nicht dem üblichen Klischee eines naturnahen Bachs entsprechen, aber dennoch schutzwürdig sind – einfach weil sie Zeugnis geben von der Siedlungs- und Nutzungsgeschichte einer Landschaft, von der sich oft mehr über die Jahrhunderte gerettet hat, als so mancher glaubt.

Der Referent, Dr. Jochen Karl, ist seit 1990 tätig als Ingenieur und Umweltplaner, seit 2006 mit eigenem Ingenieurbüro. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Wasserbau, Umweltprüfung im Rahmen der Bauleitplanung, Biotop- und Artenschutz, rechtliche Prüfungen sowie Umweltmanagement (Betreuung von Beweidungsprojekten etc.). Er ist Mitglied im Naturschutzbeirat und im Denkmalbeirat des Landkreises Gießen.

Pressestimmen:
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