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11. März 2009 - Wissemann, 400 Jahre Hortus Botanicus Gießen

Botanischer Garten Gießen
Botanische Gärten sind dynamische Orte, in denen auf mehreren Ebenen Wissensvermittlung und Wissenserweiterung stattfindet.
Foto: Botanischer Garten Gießen

Prof. Dr. Volker Wissemann

400 Jahre Hortus Botanicus Gießen – Die Entwicklung des Botanischen Gartens der Ludoviciana im Kontext der Biologiegeschichte

Botanische Gärten sind dynamische Orte, in denen auf mehreren Ebenen Wissensvermittlung und Wissenserweiterung stattfindet. Dabei treten in der Grundstruktur zumeist zwei Komponenten in den Vordergrund. Einerseits der lokal und individuell durch das Direktorat geprägte Forschungsanteil, andererseits der globale Aspekt, bei dem für Lehrzwecke Sammlungen aufgebaut werden, die in Bezug zur allgemeinen Biologieforschung und damit zur Grundausbildung stehen. Beide Bereiche können deckungsgleich sein, sind es aber in den meisten Fällen nicht.
Am Beispiel des Botanischen Gartens Gießen und seiner Direktoren wird gezeigt, wie unterschiedlich ausgeprägt die Verzahnung dieser beiden Bereiche in den Jahrhunderten auftritt. So haben beispielsweise Joh. Bernhard Wilbrand und August F.M. Ritgen unter dem starken Eindruck der Entdeckung der Pflanzengeographie Humboldts ein Gemälde schaffen lassen: „Gemaelde der organischen Natur in ihrer Verbreitung auf der Erde“, gewidmet Goethe, Humboldt und Blumenbach, das die Universität bzw. den Garten in direkten Kontext zur führenden Forschung setzt.
Schwerpunkte der allgemeinen Biologiegeschichte seit 1609 bilden sich im Botanischen Garten Gießen in der zeitlich unterschiedlichen Betonung pflanzensystematischer, vegetationskundlicher, floristischer, geobotanischer, morphologischer, phänologischer, diversitätsbetonter oder evolutionsbiologischer Sammlungen im Botanischen Garten ab. Sammlungen, ohne die der Anschluss der Studierenden an die allgemeine Entwicklung der Biologie nicht möglich ist und die forschungsbedingt starken Wandlungen unterworfen sind, grundsätzlich jedoch von einer allgemeinen und Struktur gebenden Konstanz sind. So muss prinzipiell jeder universitäre Botanische Garten ein Pflanzensystem besitzen, die Struktur des Systems jedoch wechselt im stetigen wissenschaftlichen Diskurs. Anders hingegen die Spezialforschungssammlungen, die häufig nicht den Wechsel unter ein neues Direktorat überstehen, sofern sie nicht unter didaktischen Aspekten in Lehrsammlungen überführt werden können.

Der Referent, Prof. Dr. Volker Wissemann, war zunächst Gärtner der Fachrichtung Blumen- und Zierpflanzenbau bevor er sich dem Studium der Agrarwissenschaften, Wissenschaftsgeschichte und Biologie an der Universität Göttingen zuwandte. Er habilitierte an der Universität Jena über Hybridisierung als Evolutionsfaktor bei Pflanzen. Seit April 2007 lehrt er Spezielle Botanik an der Universität Gießen. Zahlreich sind seine Veröffentlichungen (ca. 150) zur Evolution des Pflanzenreichs, Reproduktionsbiologie, Hybridisierung und Polyploidie sowie Geschichte und Theorie der Biologie. Er war 2002-2008 (stellvertretender) Sprecher der Sektion Biodiversität und Evolutionsbiologie in der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG), ist zudem Mitglied zahlreicher Fachgesellschaften. 2003-2007 war er Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Geschichte und Theorie der Biologie (DGGTB), 2008 Leiter für das Biohistoricum, eine Forschungsstelle für die Geschichte der Biologie im Forschungsmuseum Alexander Koenig, Bonn.

Der Vortrag findet um 20.00 Uhr im Netanya-Saal des Alten Schlosses am Brandplatz in Gießen statt. Der Eintritt ist kostenlos.