"Gießen ist ein holdes Nest." – Fundstücke aus Robert Sommers "Wanderbuch"
Der Medizinprofessor Robert Sommer, erster Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik und engagierter wie liebenswerter Bürger der Stadt Gießen, wurde von der Referentin bereits 2005 beim Oberhessischen Geschichtsverein vorgestellt. Damals lag der Schwerpunkt auf der Psychiatrischen Klinik und ihren ersten Patienten. Bei diesem Bild-Vortrag geht es um den "privaten" Robert Sommer, seine Freizeitbeschäftigung und die Kontakte zu den Kollegen an der Universität. Im Mittelpunkt steht das im Universitätsarchiv aufbewahrte "Wanderbuch" - hier ein Auszug daraus, der die Rast an einem Steinbruch zeigt - des Gießener Psychiaters. Sommer notierte Wanderstrecken und Zugfahrpläne, verwahrte launige Einladungen und Dankesbillets, dichtete Wanderlieder und ließ auch die Wanderfreunde zu Wort kommen. Das Büchlein erweist sich somit als Fundgrube für die Alltags- und Lokalgeschichte Gießens: Die Einträge, Fotos und Zeichnungen ermöglichen einen Blick in die Region und die Alltagskultur der Gießener akademischen Kreise, wie sie sich am Vorabend des 1. Weltkriegs darstellte.
Zur Person:
Die Referentin, Dr. Ulrike Enke, ist Medizinhistorikerin. Ihr
Forschungsschwerpunkt ist die Geschichte der Anatomie und der
menschlichen Missbildungen. Von 2000 bis 2007 hat sie am
Gießener Institut für Geschichte der Medizin in Gießen über die
Geschichte der Medizinischen Fakultät der Universität Gießen
gearbeitet und publiziert. Seit 2009 ist sie an der Universität
Marburg, wo sie sich dem Nachlass des Medizinnobelpreisträgers
Emil von Behring widmet. Frau Enke hat in Bonn Germanistik und
Biologie studiert und in Gießen über anatomische Literatur im
18. Jahrhundert promoviert. Bis 1999 hat sie bei der
Soemmerring-Edition der Akademie der Wissenschaften in Mainz
gearbeitet.





