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Aktuelles

Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins 2010, 95. Band: Mit dem rund 300 Seiten starken Mitteilungsband präsentiert der OHG auch in diesem Jahr wichtige Beiträge zu unterschiedlichen Themen. Der Bogen spannt sich von der Römerzeit mit den aktuellen Ergebnissen der Grabungen des Römerlagers in Dorlar über das Mittelalter und die frühe Neuzeit bis in die heutige Zeit mit dem Beitrag zur Geschichte der Heinrich-Cloos-Stiftung in Gießen. mehr»»

02.02.2011 - Leib, Sterben die Deutschen aus? - Ursachen und Folgen des demografischen Wandels von 1900 bis 2060

Alterspyramide Deutschland
Der Vortrag von Dr. Jürgen Leib aus Wettenberg befaßt sich mit der Wirkung des Geburtenrückgangs auf Deutschland, dem demografischen Wandel. Er beleuchtet dessen sozial-, arbeits- und ökologischen Auswirkungen auf unsere Gesellschaft.
Foto: Oberbergischer Kreis, Gesundheit und Soziales, 2010 (http://www.obk.de/imperia/md/images/cms200/aemter/amt50/alterspyramide.png)

Sterben die Deutschen aus? – Ursachen und Folgen des demographischen Wandels von 1900 bis 2060

Kurzantwort: Nein, aber es werden immer weniger und sie werden immer älter. Daraus ergeben sich vielfältige Probleme.

Demographischer Wandel heißt demographisches Altern. Er beruht primär auf einer seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert abnehmenden und heute auf tiefstem Niveau verharrenden Geburtenrate. Zwei dramatische Geburtenrückgänge im Zuge des 1. und des 2. demographischen Übergangs haben zu einem derart niedrigen Geburtenniveau geführt, dass seit mehr als 100 Jahren die Kindergenerationen immer kleiner werden als die Elterngenerationen. Es kommt also zu einem fertilitätsbedingten Altern der Bevölkerung.

Das Altern der deutschen Bevölkerung ist sekundär auf eine gleichzeitig zunehmende Lebenserwartung zurück zu führen. Der kontinuierliche Anstieg der Lebenserwartung bewirkt, dass frühere geburtenstarke Jahrgänge ein immer höheres Lebensalter erreichen. Es kommt zu einem mortalitätsbedingten Altern der Bevölkerung.

In den nächsten 50 Jahren werden das fertilitäts- und das mortalitätsbedingte Altern in verstärktem Maße zusammentreffen. Die Bevölkerungspyramide Deutschlands wird immer kopflastiger. Vor allem nach 2025/30 werden sich massive Auswirkungen auf Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik ergeben. Dies gilt insbesondere für die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, den Arbeitsmarkt (Arbeitskräftemangel), den Wohnungsmarkt, die Raum- und Siedlungsstrukturen sowie öffentliche und private Infrastruktureinrichtungen.

Deutschland steckt – ebenso wie viele andere Industrieländer – tief in einer demographischen Falle, aus der es sich auch durch eine geburtenfördernde Familien- und Sozialpolitik in Verbindung mit einer dosierten Zuwanderung nur teilweise und erst im Verlauf von mehreren Generationen befreien kann.

Zur Person:
Jürgen Leib, geb. 1946 in Krofdorf-Gleiberg, bis 1969 Studium an der Justus-Liebig-Universität Gießen mit den Schwerpunkten Hessische Landeskunde und Landesgeschichte, Osteuropäische Landeskunde und Geschichte; dort 1972 Promotion in Geographie, bis 1975 wissenschaftlicher Assistent am Geographischen Institut der JLU Gießen; 1975-2007 Akademischer Oberrat, in den letzten Jahren Studiendekan am Fachbereich Geographie der Philipps-Universität Marburg Ehrenamtliche Tätigkeiten: seit 1975 Schriftführer des Gleiberg-Vereins, seit 1986 Vorsitzender des Turn- und Sportvereins Krofdorf-Gleiberg; früher auch Schriftführer des Vetzberg-Vereins (11 Jahre), Vorstand des Heimat- und Geschichtsverein Krofdorf-Gleiberg (13 Jahre), Vorstand des Oberhessischen Geschichtsverein (11 Jahre), Denkmalbeirat des Landkreises Gießen (14 Jahre). Zahlreiche Publikationen zur Geschichte und Geographie des mittelhessischen Raumes, insbesondere des Gleiberger Landes, deshalb auch zum Ehrenmitglied des Oberhessischen Geschichtsvereins ernannt. Zusammen mit einem Kollegen Veröffentlichung eines Lehrbuchs „Bevölkerungsgeographie“ sowie von zwei Atlanten „Bevölkerung“ und „Volkszählung 1987“.

Der Vortrag findet um 20.00 Uhr im Netanya-Saal des Alten Schlosses am Brandplatz in Gießen statt. Der Eintritt ist kostenlos.