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Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins 2010, 95. Band: Mit dem rund 300 Seiten starken Mitteilungsband präsentiert der OHG auch in diesem Jahr wichtige Beiträge zu unterschiedlichen Themen. Der Bogen spannt sich von der Römerzeit mit den aktuellen Ergebnissen der Grabungen des Römerlagers in Dorlar über das Mittelalter und die frühe Neuzeit bis in die heutige Zeit mit dem Beitrag zur Geschichte der Heinrich-Cloos-Stiftung in Gießen. mehr»»

07.12.2011 - Gräf, Briefe aus dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und das Tagebuch des Georg Ernst von und zu Gilsa (1740-1798)

Schriftzug aus Brief 18. Jahrhundert
Achtung: Der Vortrag findet im Margarete-Bieber-Saal, Ludwigstr. 34, statt!--- Um 1780, Nordamerika: Offiziere schildern ihrem Freund, dem hessischen Kriegsrat Georg Ernst v. Gilsa, ihre Ängste und Nöte, berichten von Kriegsmüdigkeit und Selbstmorden, aber auch von Hochachtung vor dem Feind und von der Begeisterung für die Neue Welt. Prof. Gräf stellt u.a. die jüngst edierten Briefe vor.
Foto: H.Th. Gräf, Uni Marburg, Schriftzug aus Brief 18. Jh. (Ausschnitt)

07.Dezember 2011
Achtung: entgegen des unten angegebenen Veranstaltungsortes findet der Vortrag im Margarete-Bieber-Saal, Ludwigstr. 34 statt!

Prof. Dr. Holger Th. Gräf, Uni Marburg

Briefe aus dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und das Tagebuch des Georg Ernst von und zu Gilsa (1740-1798)

Im Januar 1776 schloss Landgraf Friedrich II. einen Vertrag mit Großbritannien, in dessen Folge bis 1783 fast 20.000 Soldaten aus Hessen-Kassel gegen die rebellischen nordamerikanischen Kolonien kämpften. Im Archiv der Familie von Gilsa wurde im März 2007 eine Ledermappe mit 140 rund 230 Jahre alten, teilweise von Mäusezähnchen und Papierwürmern angenagten "Briefen von meinen Freunden, besonders aus America" entdeckt. In ihnen schildern junge Offiziere ihrem Freund, dem hessischen Kriegsrat Georg Ernst von Gilsa, ihre Eindrücke von Land und Leuten, offenbaren ihre Ängste und Nöte, berichten von Kriegsmüdigkeit und Selbstmorden, aber auch von Hochachtung vor dem Feind und von ihrer Begeisterung für die Neue Welt.

Eine solche Menge an unzensierten Privatbriefen war bislang unbekannt und ist von großem wissenschaftlichen Interesse, denn die Briefe liefern eine Vielzahl von intimen Ansichten, die in den offiziellen Berichten und Korrespondenzen so nicht vorkommen. Zusätzliche Bedeutung erlangt das Material durch den glücklichen Umstand, dass sich auch das Tagebuch Georg Ernsts von Gilsa erhalten hat, in dem er den Erhalt der Briefe von seinen Freunden notiert und teilweise über deren Inhalt reflektiert. Man erhält dadurch ein sehr lebendiges Bild der zeitgenössischen Wahrnehmung es amerikanischen Unabhängigkeitskriegs in Deutschland. Daneben beschreibt er darin auch seine Erlebnisse im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) - auch militärische Aktionen in der weiteren Umgebung von Gießen.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Holger Th. Gräf vom Hess. Landesamt für geschichtliche Landeskunde und Prof. Dr. Christoph Kampmann wurden die Briefe und das Tagebuch mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Universität Marburg bearbeitet und liegen nun in gedruckter Form vor.

Prof. Dr. Holger Th. Gräf,
ab 1982 Studium der Geschichte und Geographie in Gießen, 1988 Magisterabschluss mit einer Arbeit über „Kleinstädte und alteuropäische Urbanisierung“; wiss. Mitarbeiter der Uni Gießen, dort 1992 Promotion; Assistent am Inst. für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin; 1988-1995 Dozent an ERASMUS/TEMPUS-Intensivkursen in Leicester, Leiden, Löwen, Lissabon, Budapest und Warschau; 1995 Brittingham Visiting Scholar am Institute for Research in the Humanities in Madison, Wisconsin; seit 1996 Akad. Oberrat am Hess. Landesamt für geschichtliche Landeskunde und seit 2001 (gelegentlich) Lehrbeauftragter am historischen sowie am kunstgeschichtlichen Institut der Universität Marburg. Seit 2009 Honorarprofessor am Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften. Buch- und Aufsatzpublikationen zur Stadtgeschichte, zur Diplomatie- und Politikgeschichte, zum Reisen und Verkehrswesen in der Frühen Neuzeit, zur Historiographiegeschichte sowie zur Graphik und Zeichenkunst im Dreißigjährigen Krieg.

Der Vortrag findet um 20.00 Uhr im Netanya-Saal des Alten Schlosses am Brandplatz in Gießen statt. Der Eintritt ist kostenlos.