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Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins 2010, 95. Band: Mit dem rund 300 Seiten starken Mitteilungsband präsentiert der OHG auch in diesem Jahr wichtige Beiträge zu unterschiedlichen Themen. Der Bogen spannt sich von der Römerzeit mit den aktuellen Ergebnissen der Grabungen des Römerlagers in Dorlar über das Mittelalter und die frühe Neuzeit bis in die heutige Zeit mit dem Beitrag zur Geschichte der Heinrich-Cloos-Stiftung in Gießen. mehr»»

29.02.2012 - van Laak, Das Notaufnahmelager Gießen. Eine Institutionen- und Beziehungsgeschichte zwischen 1946 und 1990

Notaufnahmelager Gießen
Am 29. Februar 2012 wird Dr. J. van Laak darstellen, wie die Existenz des Notaufnahmelagers, das von 1946 bis 1990 bestand, das Bild der Stadt Gießen prägte.
Foto: Stadtarchiv Gießen, Notaufnahmelager, Pforte

. Februar 2012

Dr. Jeannette van Laak

Das Notaufnahmelager Gießen. Eine Institutionen- und Beziehungsgeschichte zwischen 1946 und 1990

Das Notaufnahmelager Gießen, 1946 zunächst als Flüchtlingslager gegründet, dann vom Land Hessen als Durchgangslager betrieben, bestand bis zum 1. Juli 1990 als Einrichtung des Bundes. 4,5 Millionen Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone und der DDR begehrten zwischen 1946 und 1989 hier die Aufnahme in ein anderes politisches System, in eine andere gesellschaftliche Ordnung oder auch nur in bessere wirtschaftliche Verhältnisse. Im Notaufnahmelager prüften die Mitarbeiter der Einrichtung die Triftigkeit der Flucht- und Übersiedlungsmotive, um potentielle Gegner des politischen Systems und der gesellschaftlichen Ordnung abzuwehren. Damit hatte dieses Lager für die Bundesrepublik vor allem Kontrollfunktionen, während es für hunderttausende DDR-Bürger die Pforte in den anderen deutschen Staat bildete. Nach dem Mauerbau 1961 blieb das Lager trotz des versiegenden Flüchtlingsstroms bestehen und wurde zu einer Institution, in der die Auswirkungen politischer Entscheidungen beider deutscher Staaten unmittelbar zu spüren waren.
Die Geschichte des Notaufnahmelagers Gießen umfasst zum einen eine Institutionengeschichte, zum anderen gilt es die Erfahrungsgeschichte der Menschen, die mit dem Lager zu tun, darzustellen. Dies waren Flüchtlinge und Übersiedler, Mitarbeiter des Lagers und des Notaufnahmeverfahrens, aber auch und vor allem Gießener Bevölkerung. Der Vortrag wird aufgezeigen, wie die Existenz eines solchen Lagers das Bild einer Stadt prägte und welche Bilder und Vorstellungen sich die Deutschen von den jeweils anderen Deutschen machten.

Dr. Jeannette van Laak
1991-1995 Studium Geschichte, Deutsch und Philosophie an der Universität Jena, 1997-2000 Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung, 2001 Promotion über die „Aktivisten der ersten Stunde. Die Antifa in der Sowjetischen Besatzungszone“ bei Prof. Dr. Lutz Niethammer, Friedrich-Schiller-Universität Jena, 2003 Zweites Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien; 1996 -2002 Führungen durch die Gedenkstätte Buchenwald, 2003-2005 Freie Lektorin, Tätigkeiten als Lehrerin, Historikerin an der Universität Jena, seit 2008 Lehrkraft für besondere Aufgaben am Historischen Institut der Universität Gießen (Didaktik der Geschichte). Wissenschaftliche Publikationen zu Aspekten der DDR.

Der Vortrag findet um 20.00 Uhr im Netanya-Saal des Alten Schlosses am Brandplatz in Gießen statt. Der Eintritt ist kostenlos.