. Februar 2012
Dr. Jeannette van Laak
Das Notaufnahmelager Gießen. Eine Institutionen- und Beziehungsgeschichte zwischen 1946 und 1990
Das Notaufnahmelager Gießen, 1946 zunächst als
Flüchtlingslager gegründet, dann vom Land Hessen als
Durchgangslager betrieben, bestand bis zum 1. Juli 1990 als
Einrichtung des Bundes. 4,5 Millionen Flüchtlinge aus der
sowjetischen Besatzungszone und der DDR begehrten zwischen 1946
und 1989 hier die Aufnahme in ein anderes politisches System,
in eine andere gesellschaftliche Ordnung oder auch nur in
bessere wirtschaftliche Verhältnisse. Im Notaufnahmelager
prüften die Mitarbeiter der Einrichtung die Triftigkeit der
Flucht- und Übersiedlungsmotive, um potentielle Gegner des
politischen Systems und der gesellschaftlichen Ordnung
abzuwehren. Damit hatte dieses Lager für die Bundesrepublik vor
allem Kontrollfunktionen, während es für hunderttausende
DDR-Bürger die Pforte in den anderen deutschen Staat bildete.
Nach dem Mauerbau 1961 blieb das Lager trotz des versiegenden
Flüchtlingsstroms bestehen und wurde zu einer Institution, in
der die Auswirkungen politischer Entscheidungen beider
deutscher Staaten unmittelbar zu spüren waren.
Die Geschichte des Notaufnahmelagers Gießen umfasst zum einen
eine Institutionengeschichte, zum anderen gilt es die
Erfahrungsgeschichte der Menschen, die mit dem Lager zu tun,
darzustellen. Dies waren Flüchtlinge und Übersiedler,
Mitarbeiter des Lagers und des Notaufnahmeverfahrens, aber auch
und vor allem Gießener Bevölkerung. Der Vortrag wird
aufgezeigen, wie die Existenz eines solchen Lagers das Bild
einer Stadt prägte und welche Bilder und Vorstellungen sich die
Deutschen von den jeweils anderen Deutschen machten.
Dr. Jeannette van Laak
1991-1995 Studium Geschichte, Deutsch und Philosophie an der
Universität Jena, 1997-2000 Stipendiatin der
Friedrich-Ebert-Stiftung, 2001 Promotion über die „Aktivisten
der ersten Stunde. Die Antifa in der Sowjetischen
Besatzungszone“ bei Prof. Dr. Lutz Niethammer,
Friedrich-Schiller-Universität Jena, 2003 Zweites Staatsexamen
für das Lehramt an Gymnasien; 1996 -2002 Führungen durch die
Gedenkstätte Buchenwald, 2003-2005 Freie Lektorin, Tätigkeiten
als Lehrerin, Historikerin an der Universität Jena, seit 2008
Lehrkraft für besondere Aufgaben am Historischen Institut der
Universität Gießen (Didaktik der Geschichte). Wissenschaftliche
Publikationen zu Aspekten der DDR.
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