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25.10.2017, Luterbacher, Gießen – Klimakatastrophe 1817

Vulkanausbruch Semeru 2004
Am 25.10. präsentiert Herr Prof. Dr. Luterbacher, Uni Gießen, aktuelle Erkenntnisse zur Klimakatastrophe 1817. Nur wenige natürliche Ereignisse haben die Menschheit in einem weltweiten Massstab beeinflusst. Ein solches Ereignis in der jüngeren Geschichte war der Vulkanausbruch des Tambora im April 1815 in Indonesien.
Foto: M. Rietze, Vulkanausbruch Semeru auf Java, Indonesien, 2004

25. Oktober 2017

Klimakatastrophe 1817

Prof. Dr. Jürg Luterbacher, Universität Gießen

Nur wenige natürliche Ereignisse haben die Menschheit in einem weltweiten Massstab beeinflusst. Ein solches Ereignis in der jüngeren Geschichte war der Vulkanausbruch des Tambora im April 1815 in Indonesien.

Er brachte Zerstörung über die Insel Sumbawa und die benachbarten Inseln. Die Auswirkungen der Eruption zeigten sich während Monaten rund um die Welt. Die Konsequenzen des Ausbruchs waren weitreichend. Die globalen Temperaturen sanken deutlich; die Eruption des Tambora machte das Jahr 1816 zum wahrscheinlich kältesten der letzten 250 Jahre. Zudem verringerte sich der Monsunniederschlag und Teile Asiens würden von Dürre heimgesucht. Auch in weiter entfernten Regionen kam es zu einer Veränderung des Klimas. Besonders stark betroffen waren Mitteleuropa und Nordamerika. In Europa und Nordamerika wurde 1816 als das «Jahr ohne Sommer» bekannt. Weltweit starben weit über 100 000 Menschen. Das nachfolgende Jahr 1817 wurde in vielen Teilen der Erde ein "Jahr des Hungers". Auch in Deutschland gab es verbreitet Hungersnöte. In Bayern beispielsweise gingen die Erträge um 30 bis 50 Prozent zurück, in Württemberg sprechen obrigkeitliche Quellen von 20 bis 50 Prozent. Auch der Chemiker Justus Liebig, der Namensgeber der Universität Gießen, hat die Not der Jahre 1816/17 erlebt, die mitverantwortlich waren für die Massen-Auswanderung Anfang des 19. Jahrhundert. Sein Hauptinteresse während seiner Gießener Zeit galt der Förderung der Landwirtschaft mit dem Ziel, solche verheerenden Hungersnöte zu verhindern. Der von ihm entwickelte Dünger verbesserte die Ernte und dadurch die Nahrungsversorgung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts außerordentlich. Der Tamboraausbruch ist von grosser Faszination, weil er zeigt, wie eng Ereignisse in Natur und Gesellschaft miteinander verbunden sind. Der Vortrag zeigt die verschiedenen Facetten davon.

Prof. Dr. Jürg Luterbacher studierte und promovierte an der Uni Bern in den Bereichen Physikalische Geographie, Klimatologie und Meteorologie. Seine Lehrtätigkeiten führten ihn u.a. nach Heidelberg, Peking und Arizona. Er habilitierte sich in Seit 2009 lehrt er Klimatologie, Klimadynamik und Klimawandeler als Professor in der Uni Gießen im Fachbereich Physische Geographie.

Der Vortrag findet um 19.00 Uhr im Netanya-Saal des Alten Schlosses am Brandplatz in Gießen statt. Der Eintritt ist kostenlos.