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22.11.2017, Dittmann, Gießen: Die Entdeckungsreisen der Gebrüder Schlagintweit und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Hochgebirgsgeographie

Gebrüder Schlagintweit, Paris 1860
Die Brüder Schlagintweit wurden berühmt durch ihre dreijährige Expedition 1854-1858 nach Indien und Zentralasien. Prof. Dittmann wird in seinem Vortrag auf die Bedeutung der Entdeckungsreisen der Gebrüder auf die Hochgebirgsgeografie eingehen.
Foto: Alpenverein München/Museum, Gebrüder Schlagintweit, Paris 1860

Mittwoch, 22. November 2017

Die Entdeckungsreisen der Gebrüder Schlagintweit und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Hochgebirgsgeographie

Prof. Dr. Andreas Dittmann, Uni Gießen

Die Entdeckungsreisenden Hermann, Adolf und Robert Schlagintweit können mit Fug und Recht als bedeutende Gründungsväter der Hochgebirgsgeographie angesehen werden. Als solche hätten sich die drei Brüder selbst wahrscheinlich aber nie bezeichnet, da die Geographie und ihre Teildisziplinen zur Zeit ihres Wirkens, ebenso wie viele andere Disziplinen, am Ende des 19. Jahrhunderts, gerade erst dabei waren, sich als eigene Wissenschaftszweige zu etablieren. Die Schlagintweits strukturierten ihre Forschungsreisen in damals für Europäer noch völlig unbekannte Gebiete Zentral- und Hochasiens im Stile Alexander-von-Humboldts und trugen Ergebnisse aus vielen verschieden Wissenszweigen zusammen, darunter Geographie, Geologie, Botanik, Zoologie und Ethnologie.

Nach abenteuerlichen Erkundungen in Süd- und Hochasien, die den älteren der Brüder, Hermann Schlagintweit (1826-1882), das Leben kosteten, nahm die anschließende Auswertung der zusammengetragenen Informationen, der Gesteinsproben, der Klimadaten sowie der Artefakte und Ethnographica mehrere Jahre in Anspruch. Für den jüngeren der Entdeckerbrüder, Robert Schlagintweit (1833 - 1885), wurde in Gießen schließlich die erste Professur für Geographie, damals noch eine außerplanmäßige, eingerichtet (1864). Somit kann unsere Universitätsstadt nicht nur als ein Entstehungszentrum der Geographie als Wissenschaft im Allgemeinen, sondern vor allem auch als ein Nukleus der Hochgebirgsgeographie im Besonderen angesehen werden. Robert Schlagintweit, dessen Grab sich heuet auf dem Alten Friedhof in Gießen befindet, hat daran wesentlich Anteil. Ihm folgten andere Geographen, die seinen Schwerpunkt fortsetzten und ausbauten. Unten ihnen war es vor allem Harald Uhlig, der unter anderem mit seinen richtungweisenden Studien zur Hochgebirgsgeographie in Südasien das Institut für Geographie in Gießen zu einer festen Institution machte.

Der Vortragende kennt die von den Schlagintweits bereisten Gebiete von eigenen Forschungsreisen und wird den historisch-geographischen Ausführungen aktuelle Beispiele und eigene Ergebnisse aus Himalaya und Karakorum an die Seite stellen. Dabei wird der These nachgegangen, dass ebenso wie zu den Zeiten der Gebrüder Schlagintweit auch heute noch, trotz erheblich verbesserter Reise- und Expeditionsbedingungen, in Kaschmir, Ladakh, Tibet und den Nordgebieten von Pakistan vor allem politische Unsicherheits-Konstellationen eine Erforschung der zentralasiatischen Hochgebirgsregionen erheblich beeinflussen.

Weitere Informationen zu den Gebrüdern Schlagintweit finden Sie hier .

Der Vortrag findet um 19.00 Uhr im Netanya-Saal des Alten Schlosses am Brandplatz in Gießen statt. Der Eintritt ist kostenlos.