Vortrag (04.02.2026): Henriette Stuchtey, Giessen: „Für das gesetzestreue Judentum“. Die israelitische Religionsgesellschaft und ihre Synagoge in der Steinstraße im Kontext des jüdischen Gemeindelebens in Gießen


Der OHG lädt herzlich ein zu einem

Vortrag am Mittwoch, dem 4. Februar 2026 um 19 Uhr
im Netanya-Saal im Alten Schloss am Brandplatz.

Die Synagoge der 1886 gegründeten neo-orthodoxen „Israelitischen Religionsgesellschaft“ in der Steinstraße war im Stadtgebiet Gießens weit weniger prominent als die Synagoge der liberalen Gemeinde an der Südanlage. Sie bestand kaum vier Jahrzehnte und ihr Grundstück wurde bereits 1952 überbaut. Henriette Stuchtey berichtet über ihre Forschungen zur Geschichte dieser Synagoge und der orthodoxen jüdischen Gemeinde. Sie zeichnet die Entstehung der sogenannten „Austrittsgemeinde“ nach und stellt die 1899 erbaute Synagoge und ihre auf den orthodoxen Ritus ausgerichtete Architektur vor. 1897 berief der hessische Großherzog den jungen, aus Posen stammenden Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld zum zweiten Provinzialrabbiner in Oberhessen, der die kleine orthodoxe Gemeinde bis zu seinem Tod 1933 begleitete. Der Vortrag gibt Einblicke in das Gemeindeleben. Er beleuchtet die zunehmende Bedrohung der Mitglieder und die Zerstörung der Synagoge am 10. November 1938 und Auslöschung der Gemeinde. Ebenso werden die Nachkriegsgeschichte und Aspekte der Erinnerungskultur thematisiert.

Die Referentin: Henriette Stuchtey studierte, nach einer Tischlerlehre, Kunstgeschichte, Geschichte und Europäische Ethnologie in Freiburg und Bonn. Im Anschluss war sie als Kunsthistorikerin und Restauratorin im Kunsthandel und in Museen tätig, in Deutschland und langjährig in London, u.a. am Victoria & Albert Museum. Zudem ist sie freiberufliche Autorin insbesondere für Nachschlagewerke und seit 1991 Mitarbeiterin des Allgemeinen Künstlerlexikon mit einem Schwerpunkt auf angewandter Kunst und Architektur. Seit 2018 arbeitet sie bei der Unteren Denkmalschutzbehörde der Universitätsstadt Gießen. Sie forscht daneben seit 2023 zu den jüdischen Gemeinden Gießens und ihren Synagogen im 19. und 20. Jahrhundert.

Auch Nicht-Mitglieder sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig.

Bitte beachten Sie auch unseren Flyer mit Vortrags- und Exkursionsprogramm 2025/26 und die entsprechende Pressemitteilung.

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„Und in allen Gegensätzen steht ...

... – unerschütterlich, ohne Fahne, ohne Leierkasten, ohne Sentimentalität und ohne gezücktes Schwert – die stille Liebe zu unserer Heimat.“ (Kurt Tucholsky)